Der deutschschweizer Denker und Schriftsteller Ludwig Hohl wurde in Nestal, Kanton Glarus, am 9. April 1904 geboren. Seine Familie war wohlhabend, der Vater protestantischer Pfarrer. Schon in seiner Kindheit besieg Ludwig Hohl Berge. Mit 18 vom Gymnasium relegiert, verließ er seine Familie und setzte seine Ausbildung autodidaktisch in Zürich fort.

1924 entschloss er sich sein Leben ganz dem Schreiben zu widmen, und ging, jedwede andere berufliche oder einträgliche Tätigkeit ablehnend, nach Paris. Eine Sammlung Gedichte, die später verworfen wurde, erschien 1925 im Selbstverlag in Konstanz. In Frankreich (wo er hauptsächlich in Paris und Umgebung lebte, sich aber auch in den Hochsavoyen und in der Dauphiné aufhielt) erlebte er eine Zeit der intellektuellen Reife und intensiven literarischen Produktion, die er jedoch als "dunkel" und "fruchtlos" empfand. 1931 zog er nach Den Haag, wo sich, aus extrem ärmlichen Existenzbedingungen heraus, sein wahres Schreiben zu manifestieren begann. In den Jahren 1934 und 1936 erreichte es seinen kräftigsten Ausdruck.
1937 aber legte die unhaltbare materielle Situation eine Rückkehr in die Schweiz nahe, wo Ludwig Hohl sich in Genf niederliess und bis zu seinem Tod, am 3 November 1980, wohnhaft blieb.

Nach dieser Rückkehr bemühte sich Ludwig Hohl vor allem auch um die Publikation seiner Schriften. Durch eigene Anstrengungen und durch die Unterstützung von Freunden gelang die Herausgabe von Teilen des Werks, in zwei Fällen im Selbstverlag und durch Subskription. Hinzu kamen Veröffentlichungen in deutschschweizer Zeitungen und Zeitschriften - Teil einer lang währenden Bemühung die Presse mit seinen Stücken zu beliefern. Das Prekäre dieser Unternehmung und die Lage Ludwig Hohls lässt sich an dieser Stelle nicht wiedergeben.

Hohls Hauptwerk Die Notizen - nach Ansicht des Verlegers zu Umfangreich für einen Band - sollte in zwei aufeinander folgenden Bänden herauskommen. Aber die Erfolglosigkeit des ersten Bandes der 1944 erschien, bewog den Verleger zum Vertragsbruch - erst nachdem der Autor einen Prozess, der bis vor das
Bundesgericht ging, anstrengte und gewonnen hatte, konnte 1954 der zweite Band erscheinen.

Während es auf der schöpferischen Ebene zwischen 1949 und 1951 zu einem neuen Höhepunkt kam, wirkten sich diese "Widrigkeiten" fatal auf den Impakt des Werkes aus. Erst die Resonanz bei einer Reihe von engagierten Lesern, Schriftstellern, Künstlern und Kritikern liess sich viel später in Deutschland ein Verleger finden, der sich des Werkes in angemessener Weise annahm. Eine umfassende Veröffentlichung der Texte Ludwig Hohls wurde 1971 begonnen und auch posthum fortgesetzt.

1954 bezog Ludwig Hohl Quartier im Sous-sol des Gebäudes Rue David-Dufour Nummer 8 (Eingang Links zwei Kellerfenster) - in einem Arbeiterviertel, dessen Atmosphäre sich verlor als ein grosser Bürokomplex hochgezogen wurde. Hohl lebte hier 21 Jahre lang bis das Haus komplett renoviert wurde und er ausziehen musste. Während der Bauarbeiten wechselte er in die Rue David-Dufour Nummer 4, zog aber, sobald es ging, in die Nummer 8 zurück, wo er bis diesmal im Hochparterre wohnte ( Eingang recht, zwei Fenster zur Strasse, drei zum Hof). Das blieb seine Wohnung bis zu seinem Tod, fünf Jahre später.
Elemente einer freiwilligen Klaustration, die im Keller ins Auge sprangen, fanden sich auch in dieser Wohnung wieder: Abschirmung gegen das Tageslicht und die Sicht von aussen, starkes und permanentes elektrisches Licht, methodische Organisation der Verrichtungen im Haushalt und der Aktivitäten des Intellekts. Die Wohnung war ebenfalls Atelier. Der Arbeitstisch wurde zum Mittelpunkt für das ganze existenzielle und kreative Dispositiv, das der Schriftsteller "gesetzt" hatte, als sich seine Berufung deklarierte, - Grundlage zur Vergegenwärtigung des Werkes. Davon würde selbst eine umfassende Bibliographie nur die Seite des Publizierten zeigen. Die Gesamtheit der Schriften wird seit Dezember 1993 im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern aufbewahrt.

Anfang Sommer 1979, während der Dreharbeiten zum Film Ludwig Hohl - Ein Film in Fragmenten von Alexander J. Seiler, hat Pio Corradi mit seiner 16mm-Kamera verschiedene Aufnahmen von diesem Tisch gemacht, der seit etlichen Jahren leer blieb:" damit er frei ist für eine Reflexion - um sie aufzuschreiben darauf oder ein Buch hervorzunehmen oder ein Manuskript und sich darauf zu konzentrieren." Im Film ist das der Ort, wo Ludwig Hohl einige seiner Texte liest. Eine Aufnahme zeigt den Tisch ohne Protagonisten; die auf DV transferierte Aufnahme, d.h. deren Projektion für einige Tage in einem Bauwagen gegenüber dem Haus Rue David-Dufour 8 ist ein Akt des Gedenkens.

Text: Charles Hersperger, 2003

Eine Arbeit von Charles Hersperger
Ludwig Hohl: Eine Arbeit von Charles Hersperger